# 1

Ein gesetzliches Verbot würde Abtreibungen verhindern

Falsch.

In El Salvador und Nicaragua sind Abtreibungen illegal und werden mit bis zu 30 Jahren Haft bestraft. Trotzdem können Frauen leicht Medikamente, welche eine Abtreibung einleiten, auf dem Schwarzmarkt erwerben. Das Verbot bewirkt lediglich, dass Abtreibungen spät in der Schwangerschaft, von unqualifizierten Menschen und unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt werden. Dies führt dann zu einer großen Gefahr für die Gesundheit und das Leben von Frauen.

Auch in Europa war der Abbruch bis in die 70er Jahre verboten, und trotzdem hat es unglaublich viele Abbrüche gegeben, verbunden mit zahlreichen Komplikationen und Todesfällen aufgrund der unsachgemäßen Durchführung.

Internationale Forschungen haben gezeigt, wenn Abtreibungen gesetzlich verboten werden, verringert sich die Abtreibungsrate nicht.  Das einzige, was sich ändert, ist die Sicherheit des Verfahrens. Frauen sterben häufiger an den Folgen des illegalen Abbruchs. Dies dient niemandem.
13% der Todesfälle bei Müttern weltweit stehen im Zusammenhang mit Abtreibungen (das sind 47.000 Frauen), die meisten in Ländern, wo Abtreibungen verboten sind.
Der Schlüssel um Schwangerschaftsabbrüche zu reduzieren, liegt im vereinfachten Zugang zu wirksamen Verhütungsmitteln und der Verbesserung der Aufklärung.
Quelle: everydayfeminism.com


Grafik 1: Zeitplan für die Legalisierung der Abtreibung in verschiedenen Ländern

Grafik 2: Abtreibungsverbot in Rumänien

Grafik 3: Abtreibungsverbot in den USA

Grafik 4: Abtreibungsverbot in England und Wales


Weitere Quellen:

The Lancet, Induced Abortion: Incidence and trends worldwide from 1995 to 2008 (2012)

Abortion Rights Campaign (Ireland), Myth #3: Criminalising abortion ensures a low abortion rate

Journal of the Royal Society of Medicine, British Maternal Mortality in the early 18th and 19th centuries, by Geoffrey Chamberlain (2006)

Journal of Family Planning & Reproductive Healthcare, The remarkable story of Romanian women’s struggle to manage their fertility (2013)

Guttmacher Institute, Access to safe abortion in the developing world (2012)

Our Bodies, Ourselves, The Impact of Illegal Abortion (2014)

# 2

Religiöse Menschen sind gegen Abtreibung

Falsch:
Die ‚Religious Coalition for Reproductive Choice'(RCRC) ist ein Zusammenschluss von ChristInnen, Juden/Jüdinnen und anderen religiösen Organisationen, die das Recht einer Frau, darüber zu entscheiden wann und ob sie ein Kind möchte,  unterstützen. RCRC klärt die Öffentlichkeit über das Thema Schwangerschaftsabbruch auf und vermittelt, dass es eine religiös zu verantwortende Entscheidung ist.
rcrc.org
Falsch:  Catholics For a Free Choice(CFFC) gibt den vielen KatholikInnen eine Stimme, die das Recht der Frau, den Mund aufzumachen und moralische Entscheidungen über ihren eigenen Körper zu treffen, respektieren und die die Reproduktionsfreiheit unterstützen.
www.catholicsforchoice.org

Quellen:

Catholics for Choice, The Facts Tell the Story: Catholics and Choice (2015)

Pew Research Center, Religious Groups’ Official Positions on Abortion (2013)

ThinkProgress (Tara Culp-Ressler): „God Loves Women Who Have Abortions“: The Religious Abortion Advocates that History Forgot (2014)

Sacred Choices: The Right to Contraception and Abortion in Ten World Religions (book), by Daniel Maguire (Fortress Press, 2001)

# 3

Liberal gesinnte Menschen wollen mehr Abtreibungen

Falsch:
Liberal gesinnte Frauen und Männer setzen sich dafür ein, Jugendliche aufzuklären, den Zugang zu Verhütungsmitteln zu erleichtern und die Schwangerschaftsabbrüche, die sowieso stattfinden, unter besten medizinischen Bedingungen durchzuführen. Ebenso wird das Recht jeder Frau frei zu entscheiden, ob sie ein Kind bekommen will oder nicht gefordert. Liberal gesinnte Menschen sind also „pro choice“ – für die freie Wahl.

Quellen: sisterresist  Mythos Abtreibung – Ammenmärchen zum Schwangerschaftsabbruch
Pro-Choice Action Network, Misconceptions About Abortion

# 4

Adoptionsfreigabe ist besser als Abtreibung

Falsch.

Adoption darf niemals verordnet werden. Sie ist da, um elternlosen Kindern zu Eltern zu verhelfen, nicht um kinderlosen Paaren ein Kind zu verschaffen.
Für einige Frauen kann Adoption eine Lösung sein. Für die allermeisten Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Betracht ziehen, ist die Weggabe des Kindes zur Adoption jedoch keine Alternative. Umgekehrt kam für die meisten Mütter, die ihr Kind zur Adoption geben, ein Schwangerschaftsabbruch nicht in Frage.

Frauen entscheiden sich für den Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft, weil sie in erster Linie nicht schwanger sein möchten und ein Abbruch für sie die „Lösung“ dieses Problems ist. Sie möchten keine ungewollte Schwangerschaft fortsetzen und auch keine Geburt eines ungewollten Kindes durchleben.

Ungewollte Kinder
Es gibt eine Menge an wissenschaftlicher Forschung über unerwünschte Kinder und die Tatsache, dass ihre Lebenschancen  geringer sind als die für gewollte Kinder. Allen voran ist die sehr wichtige Arbeit zu diesem Thema von Henry P. David zu erwähnen: David HP. et al. „Born unwanted. Developmental effects of denied abortion“, Springer, 1988
David, H. P., Dytrych, Z., & Matejcek, Z.  „Born unwanted: Observations from the Prague Study“. American Psychologist, 58: 224-229, 2003
Hier der Link zum Abstract: psycnet.apa.org

Quellen:

www.sahealth.sa.gov.au

Abortion Rights Coalition of Canada, Why Few Women Choose Adoption (2006)

Adopt U.S. Kids – Meet the Children

National Public Radio, For Romania’s Orphans, Adoption Is Still A Rarity (2012)

Children of the Decree, documentary film on Romain’s orphans (2005)

# 5

BefürworterInnen wollen Abtreibungen bis zur Geburt ermöglichen

Falsch.

Expertinnen, die sich im Bereich der reproduktiven Gesundheit engagieren möchten Frauen einen möglichst frühen Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch ermöglichen. Die Entwicklung des medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs, der bereits dann durchgeführt werden kann, wenn im Ultraschall noch kein Fruchtsack sichtbar ist (!) ist eine Entwicklung in diese Richtung. Allerdings gibt es auch seltene Risikosituationen, wie eine schwere Fehlbildung des Fötus oder eine gesundheitliche Gefährdung der Frau, in denen ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich auch später in der Schwangerschaft möglich sein muss.

Quellen:
Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Facts About Anencephaly (2015)

Orlando Women’s Center, Late Abortion Due to Fetal Anomaly

The Royal Australian and New Zealand College of Radiologists, 18-20 Week Screening Pregnancy Ultrasound

# 6

Man kann nicht für Abtreibung aber gegen Todesstrafe sein

Falsch:
Die moralischen Fragen, die hinter den Themen stehen, sind völlig verschiedene.
Frauen darin zu unterstützen, dass sie über ihren Körper selbst entscheiden ist ein Engagement im Rahmen der Reproduktiven Gesundheit und rettet das Leben von vielen Frauen, die in ihrer Verzweiflung über die ungewollte Schwangerschaft zu riskanten Methoden des Abbruchs greifen würden.

Die Todesstrafe ist die Tötung eines Menschen als Strafe für einen in einem Strafgesetz definierten Straftatbestand, dessen er für schuldig befunden wurde. Ihr geht in der Regel ein Todesurteil nach einem Gerichtsverfahren voraus, das mit der Hinrichtung des Verurteilten vollstreckt wird. Heute ist die Todesstrafe ethisch, strafrechtlich und praktisch umstritten – sie gilt vielfach als unvereinbar mit den Menschenrechten.

Quellen:
American Civil Liberties Union, The Case Against the Death Penalty (2012)

Anne Nicol Gaylor, Women’s Medical Fund, „Abortion Is a Blessing“ (1975)

Joyce Arthur, Pro-Choice Action Network, „The Fetus Focus Fallacy“ (2005)